Hochwasser in Biberist
Am Montag 22.08.2005 klingelte um 01.20 Uhr in der früh das Telefon. Etwas erstaunt über den Anruf mitten in der Nacht hob ich den Hörer ab. Es war der stellvertretende Kommandant der Regionalen Zivilschutzorganisation Biberist-Bucheggberg-Lohn-Ammannsegg (RZSO BBL). Er forderte mich auf, umgehend ins Gemeindehaus einzurücken. Die Emme trage Hochwasser und trete über die Ufer. Die Feuerwehr benötige nun die Unterstützung des Zivilschutzes. Die Mannschaft sei man am Aufbieten. Als Gruppenführer Telematik sei es meine Aufgabe, die Führung zu unterstützen und die Kommunikation innerhalb des Zivilschutzes aufrecht zu erhalten.
Auf dem Parkplatz beim Gemeindehaus traf ich auch schon auf meinen direkten Vorgesetzten. Nach der Orientierung durch den Führungsstab fuhren wir zusammen zum Magazin und bereiteten die Funkgeräte auf den bevorstehenden Einsatz vor. Kurz darauf trafen die ersten Teile der Mannschaft ein, die nach dem Ausrüsten ins Schadensgebiet geschickt wurden und dort die Feuerwehr unterstützten. Im Magazin wussten wir nie genau, wie es im Schadensgebiet genau aussah. Auf Grund der Funkmeldungen konnten wir uns aber ein Bild ausmalen. Wir wurden beispielsweise über Funk orientiert, wenn die Feuerwehr aus dem Zivilschutz-Magazin Material abholen wollte. Umgehend haben wir zusammen mit dem Materialwart versucht, das benötigte Material sofort bereitzustellen, damit beim Eintreffen der Feuerwehr schon alles bereit war.
Die Anwohner des Magazins, welches abseits vom Schadensgebiet liegt, haben sich vermutlich tierisch genervt über den Lärm mitten in der Nacht. Wahrscheinlich wussten diese zuerst gar nicht, dass hier ein Wettlauf mit der Zeit stattfand. Aber als Fahrzeug um Fahrzeug vorfuhren, Anhänger um Anhänger beladen mit Material angehängt wurden ahnten wahrscheinlich alle um was es hier ging. Als die Hektik nachliess, wir hatten im Magazin auch nicht mehr viel Material welches für diesen Fall hätte eingesetzt werden können, konnte ich einen ersten Augenschein im Schadensgebiet nehmen. Das Bild übertraf alle Erwartungen! Überall Sandsäcke, Schalungstafeln, Schläuche, Pumpen, Lärm und Wasser.
Durch ganze Dorfteile floss das Wasser und füllte die Keller. An vielen Stellen war der Kampf hoffnungslos. Die Pumpen liefen auf Hochtouren, aber der Wasserstand in den Kellern sank keinen Millimeter. Trotzdem wurde weitergekämpft, die Dämme aus Sandsäcken verstärkt. Nach längerer Zeit begann der Pegel der Emme zu sinken, die grösste Gefahr war gebannt. Dutzende von Kellern waren überflutet. Wenn man aber sah, wie hoch die Emme kam, war es doch erstaunlich, wie "wenige" Keller überflutet waren. Der Einsatz von Feuerwehr, Zivilschutz und Gemeindearbeiter hat wenigstens Wirkung gezeigt.
Leider habe ich keine Bilder von den kritischen Stunden, hatte ja wichtigere Arbeiten zu erledigen als Bilder zu schiessen. 36 Stunden nach dem Hochwasser nahm ich mir aber die Zeit für einen kleinen Rundgang. Nachfolgende Bilder können nur ansatzweise die gesamte Tragweite wiedergeben. Der Pegel der Emme lag zum Zeitpunkt der Aufnahmen deutlich unter dem Höchststand.
