Am Abend stiegen wir in Stockholm in den Nachtzug, welcher uns nach Östersund brachte. Dort stiegen wir auf die Inlandsbahn um.
Die Inlandsbahn hatte früher eine wichtige Bedeutung. Doch sie verlor immer mehr an Bedeutung und der Betrieb wurde schlussendlich eingestellt. In den neunziger Jahren funktionierten die Schweden die Bahn in eine Touristenatraktion um. Seither kann man sich von Mora bis Gällivare auf einer Strecke von über 1000 Kilometer durch die schönste Natur führen lassen.
Die Zugskomposition besteht aus einer Diesellok und einem Wagen. Luxus gibts nicht. Es holpert und rüttelt. Dafür kann es schon mal vorkommen, dass der Lokführer anhalten muss weil ein paar Rentiere die Schienen nicht freigeben wollen. Die Zugsbegleiterinnen weisen die Touristen darauf hin, wenn in einem Flüsschen ein Biberdamm sichtbar wird. Bei den Begleiterinnen kann man auch Tee, Kaffee, Kuchen und mehr bestellen. Beim nächsten Bahnhof steht dann eine einheimische Person mit den bestellten Waren bereit und verdient sich so ein paar Kronen.
Je nördlicher man kommt umso weniger Dörfchen gibt es. Die Strecke wirkt sehr einsam, was aber nicht heisst, dass die Fahrt langweilig ist. Es gibt sehr viel zu beobachten. Ab und zu gibt es einen Kaffeestopp.
Vor Antritt der Reise habe ich gelesen, dass es in Schweden nur so von Mücken wimmelt. Doch wir wollten das nicht glauben. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir nicht eine einzige Mücke gesehen. Dies änderte sich schlagartig als wir in Arvidsjaur ankamen. Plötzlich hatten wir alle einen riesen Mückenschwarm um unsere Köpfe. Eine richtige Plage! Die Lust auf zelteln war uns schlagartig vergangen. Doch zum Glück gab es auch auf diesem Zeltplatz kleine Häuser.
Die Nacht verbrachten wir in diesem schönen Holzhaus. Dank Mückengitter konnten wir die ganze Nacht das Fenster offen lassen. Am nächsten Morgen ging es dann weiter. Die Inlandsbahn sollte uns über den Polarkreis nach Gällivare bringen.
Geschafft! Abends um 22.00 Uhr kamen wir in Gällivare an. Zuerst stellten wir das Zelt auf und beschlossen, auf den Dundret, ein ca. 800 Meter hoher Berg, zu steigen und dort unser Nachtessen einzunehmen. Um 00.30 Uhr kochten wir Wildreis auf dem Gipfel des Dundrets. Es war taghell. Die Kapuze haben wir nicht etwa hochgezogen weil es regnete, sondern weil die Mücken einen Totalangriff auf uns wagten. Ich wollte zählen wie viele Mücken auf der Kapuze von Corinne sassen. Doch als ich bei fünfzig ankam und ein Ende noch lange nicht in Sicht war, gab ich das Zählen auf. Übrigens: Das beste Antimückenmittel das in der Schweiz erhältlich ist hält die Biester genau zwei Minuten fern!
Um 03.00 Uhr waren wir wieder auf dem Zeltplatz. Unsere Kapuzentechnik hat sich bewährt. Praktisch keine Mückenstiche hatten wir zu beklagen.
Die Reise ging weiter nach Kiruna. Es begann aus Kübeln zu giessen. Trotzdem verbrachten wir die Nacht im Zelt. Schliesslich wollten wir es ja nicht vergbens mitgenommen haben. Resultat: Alles feucht. Kleider, Schuhe, Rucksack, Zelt, einfach alles durch und durch feucht. Wir waren gezwungen einen Ruhetag einzulegen. Für die zweite Nacht mieteten wir wieder ein kleines Häuschen. Dieses hatte zu unserer Freude sogar einen Wärmeschrank. Also stopften wir alles was wir hatten in den Schrank und heizten tüchtig ein. Ein Prosit auf trockene Kleider! Was für ein Gefühl am anderen Tag in warme, trockene Kleider zu schlüpfen.
Nun waren wir also ziemlich im Norden von Schweden. Es hiess vorerst Abschied nehmen. Denn wir verliessen Schweden um die Lofoten, eine Inselgruppe in Norwegen, zu besuchen. Das Schnellboot brachte uns zu diesen hügeligen Inseln.
Der Zeltplatz liegt direkt am Meer auf einer kleinen Erhöhung mit See. Es herrschte eine starke Brise. Zudem wollten uns die Seemöwen vertreiben. Mit ihrer grossen Ausdauer haben sie die ganze Nacht gekräht.
Am nächsten Morgen zeigten sich uns die Lofoten von ihren schönsten und sonnigsten Seiten. Einige Bilder rund um den Zeltplatz:
Mit der Fähre ging es dann nach Bodo. Ein letzter Blick zurück auf die Lofoten. In Bodo stiegen wir in den Nachtzug um der uns nach Trondheim brachte. Noch am selben Tag stiegen wir dort wieder in den Zug. Ich verlies die Gruppe in Lillehammer. Während sich meine Kollegen nach Bergen begaben, wollte ich die Olympiastadt von 1994 besuchen.
Lillehammer hat ein kleines aber schönes Hauptgässchen. Dieses "kleine" Dorf hat rund 20'000 Einwohner. Nicht zuletzt auch wegen den olympischen Winterspielen von 1994. Lillehammer konnte zweifelsohne stark davon profitieren. Vier Jahre nach den Spielen gab es dort noch Souvenirs für die Touristen.
Lillehammer hat aber einiges zu bieten. Der Besuch der olympischen Sprungschanze, eine Ausstellung über die Olympiaden des 20. Jahrhunderts, eine Ausstellung über Norwegen während dem zweiten Weltkrieg und natürlich das Freilichtmuseum Maihaugen gehören zur Pflicht. Die Jugendherberge, welche im Bahnhofsgebäude untergebracht ist, ist sehr modern, sauber und hübsch.
Die Reise neigte sich langsam aber stetig dem Ende zu. Die letzten zwei Tage verbrachte ich in Oslo. Ich genoss zum letzten Mal das süsse Nichtstun. Dann traf ich wieder auf meine Kollegen die von Bergen zurückkamen. Gemeinsam stiegen wir in den Zug um die Heimreise in die Schweiz anzutreten.
Im schwedischen Helsingborg wurde dann unser Zug auf eine Fähre verladen. Es ging wieder zurück nach Dänemark. Ein letzter Blick zurück auf Schweden. Unsere Reise war endgültig zu Ende. In Kopenhagen mussten wir erneut umsteigen.
Etwa 20 Stunden nach dem wir Oslo verlassen hatten war ich wieder zu Hause. Und zwar total erschöpft aber glücklich. Es war eine wunderschöne Reise. Noch heute denke ich oft an diese Zeit zurück.
















